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Randnotiz: Was Ärzte wert sind

Quelle: Dtsch Arztebl 2014; 111(9): A-327 / B-283 / C-271
Peter Pommer
Die Krankenkassen gaben 2012 29,2 Milliarden Euro für Medikamente aus, für ärztliche Behandlung hingegen nur 28,25 Milliarden Euro. Dieses Missverhältnis spüren viele Kollegen in eigener Praxis schmerzlich. Hochqualifizierte ärztliche Leistung wird vergleichsweise schlecht honoriert, und die Verordnung teurer Medikamente belastet zusätzlich das Budget. Die Damen und Herren vom Pharmaaußendienst klagen dagegen nie über finanzielle Belange – sicher nicht aus kollektiver Bescheidenheit.Was sollten wir Ärzte daraus für Schlüsse ziehen? Ärzte sollten vorrangig langjährig bewährte und dadurch preisgünstige Medikamente von Zweitanbietern verordnen – auch zum Schutz der Patienten vor noch unbekannten Nebenwirkungen. Und: Ärzte sollten keine Pharmavertreter mehr empfangen, sondern sich in der unabhängigen Fachpresse und auch im Internet, zum Beispiel bei den Veröffentlichungen der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, informieren.

An leitende Ärzte appelliere ich, finanzielle Abhängigkeiten zur Industrie auf das unvermeidbare Minimum, wie etwa Drittmittel zur Forschung, zu reduzieren. Vortragshonorare bei ärztlichen Fortbildungen sollten grundsätzlich an gemeinnützige Organisationen oder auch an die Kostenträger im Gesundheitswesen gehen, so werden Interessenkonflikte vermieden. Es ist eine Ehre und eine gute Werbung für die eigene Abteilung, bei Fortbildungen sprechen zu dürfen. Nachahmenswert finde ich die Initiative der Ärztekammer Berlin, Fortbildungen zunehmend selbst, ohne finanzielle Hilfe der Industrie zu organisieren. So geht man anrüchigen Verflechtungen aus dem Weg.