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Malaria

Was ist eigentlich “ Malaria“ ?
Der Begriff Malaria kommt aus dem Italienischen von mal aria und bedeutet “ schlechte Luft“
Synonym wird die Malaria auch als Sumpffieber oder Wechselfieber bezeichnet. Es handelt sich um
eine weltweit in tropischen, teils auch subtropischen Regionen verbreitete Infektionskrankheit,
die durch Protozoen der Sporentierchengattung Plasmodium hervorgerufen wird. Überträger sind
die weiblichen Stechmücken der Gattung Anopheles (Malariamücken).

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Vorkommen der Malaria

Sie tritt in tropischen und subtropischen Regionen aller Kontinente – außer Australien – in etwa
100 Ländern endemisch auf. Etwa 40% der Weltbevölkerung lebt in Malaria-Endemiegebieten,
in denen schätzungsweise 300 bis 500 Millionen Erkrankungen pro Jahr auftreten.
90% der Erkrankungen ereignen sich in Afrika. Weitere Endemiegebiete mit hoher Erkrankungshäufigkeit
befinden sich in Indien und in Südamerika (Amazonasbecken). In jedem Jahr sterben weltweit 1,5 bis
2,7 Millionen Menschen an Malaria, etwa die Hälfte von ihnen sind Kinder unter fünf Jahren.
In Deutschland werden jährlich rund 1.000 importierte Malaria-Erkrankungen durch Meldung
erfasst. Die tatsächliche Zahl ist etwas höher zu veranschlagen. In den letzten Jahren sind
in Deutschland 15 bis 28 Personen pro Jahr an einer im Ausland erworbenen Malaria gestorben.
Zwei Drittel der importierten Malaria-Erkrankungen sind Malaria tropica; 60–70% der Erkrankten
sind Deutsche. Afrika ist weiterhin das wichtigste Infektionsgebiet (besonders auffällig: Kenia,
Ghana, Nigeria, Gambia und Kamerun).
Der Anteil der aus Asien importierten Malaria-Infektionen ist leicht rückläufig (etwa 10 %; wichtige
Länder: Indien, Indonesien, Pakistan, Papua-Neuguinea). Der amerikanische Kontinent spielt als
Ursprung für Malaria-Importe keine entscheidende Rolle.

Erreger
Es existieren verschiedene Plasmodienarten, die humanpathogen sind: Plasmodium (P.) falciparum
(Erreger der Malaria tropica), Plasmodium ovale und Plasmodium vivax (Erreger der Malaria tertiana),
Plasmodium malariae (Erreger der Malaria quartana). Die Morphologie der Parasiten ist für jede Art
und jedes Entwicklungsstadium charakteristisch.
Plasmodien sind intrazelluläre Parasiten; ihr Entwicklungszyklus umfasst zwei Teilzyklen im
menschlichen Wirt und in der  Überträgermücke. Die Entwicklung der Sporozoiten ist an eine
Umgebungstemperatur von mindestens 16°C gebunden und beschleunigt sich bei höheren
Temperaturen; hieraus erklärt sich die unterschiedliche geographische Verbreitung der Malaria
(einschließlich der Begrenzung unterhalb von 2000 m Höhe).

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Infektionsweg
In der Regel erfolgt die Übertragung der Plasmodien durch den Stich einer blutsaugenden
weiblichen Stechmücke der Gattung Anopheles, bei dem mit dem Speichel der Mücke Sporozoiten
in die menschliche Blutbahn gelangen. Die Angriffslust dieser Mücken ist bei Sonnenuntergang
und in der Nacht am größten.

Inkubationszeit
Infektionen durch P. falciparum sind möglich ab dem 7. –15. Tag nach dem erfolgten Stich,
bei P. vivax und P. ovale ab 12.–18. Tag und bei  P. malariae ab 18.–40. Tag. Längere Inkubationszeiten
sind bei allen Formen möglich. Die Bildung von „Ruheformen“  aus Sporozoiten in der Leberzelle
kann bei P. vivax Rezidive bis zu 2 Jahren, bei P. ovale bis zu 5 Jahren nach Infektion bewirken.
Bei P. malariae sind Latenzzeiten bis zu 40 Jahren beschrieben.

Dauer der Ansteckungsfähigkeit
Eine direkte Ansteckung von Mensch zu Mensch ist nicht möglich.

Was sind die Symptome der Malaria-Erkrankung?
Jede Malaria beginnt mit uncharakteristischen Beschwerden wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen
sowie allgemeinem Krankheitsgefühl. Häufig werden solche Anzeichen daher als grippaler Infekt
oder Magen-Darm-Infektion fehlinterpretiert.
Kennzeichnende Symptome der Malaria sind die in unterschiedlichen Abständen auftretenden
Fieberschübe, die durch den gleichzeitigen Zerfall von reifen Blutschizonten und der befallenen
Blutkörperchen ausgelöst werden. Bei der M. tertiana kommt es nach kurzem Anfangsfieber mit
Kopf und Gliederschmerzen, auch Durchfall in Intervallen von 46 Stunden ( Dreitagefieber), bei
M. quartana von 72 Stunden, zu hohem Fieber (40-41°C) mit Schüttelfrost, starken Kopfschmerzen,
Übelkeit, Verwirrtheitszuständen und auch zu Krämpfen. Hieran schließt sich nach 4-6 Stunden ein
kritischer Temperaturabfall mit Schweißausbrüchen an. Weitere Krankheitserscheinungen sind
Milz- und Leber-schwellungen, leichte Gelbsucht, hämolytische Anämie. Ohne Behandlung
klingen die Fieberattacken nach mehreren Wochen von selbst ab.
Bei der Malaria tertiana erlöschen die Krankheitserscheinungen meist nach zwei bis drei Wochen.
Durch Hypnozoiten, die sich aus den Sporozoiten entwickeln und in der Leber verbleiben,
können auch nach längerer Zeit Rezidive ausgelöst werden.
Die M. tropica ist durch heftige Symptome mit unregelmäßigem oder anhaltendem Fieberverlauf
gekennzeichnet, manchmal besteht auch gar kein Fieber; infolge einer Verstopfung der
Kapillargefäße lebenswichtiger Organe (Gehirn, Nieren, Herz, Lunge, Leber, Darm) kann
in wenigen Tagen der Tod eintreten. Rückfälle treten nur bei unzureichender Therapie bzw. bei
Vorliegen einer Medikamentenresistenz auf.

Wie kann man eine Malaria diagnostizieren?
Die wichtigste und zugleich sehr einfach und kostengünstig durchzuführende  labordiagnostische
Maßnahme bei Malariaverdacht ist die mikroskopische Untersuchung des sog. Dicken Tropfens
und auch dünner Blutausstriche (Giemsa-Färbung) auf  Plasmodien. Diese gelten als Standard der
Malariadiagnostik. Die Untersuchung erfordert Erfahrung, die aber in klinischen Laboratorien vorhanden ist.

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Mittlerweile stehen auch Schnellteste zur Verfügung. Der entscheidende Nachteil ist die unsichere
Ergebniserzielung, denn auch bei einer bestehenden Malaria kann der Test negativ ausfallen.
Für den Reisenden ist daher der Schnelltest nicht geeignet, eine Entscheidungsgrundlage zur eventuellen
notfallmäßigen Selbstbehandlung zu geben.

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Was kann man vorsorglich gegen eine Malaria tun?

Um das Risiko einer Malaria und ggf. die möglichen Komplikationen einer Infektion so gering
wie möglich zu halten, müssen Reisende in Endemiegebiete bereits vom Reiseveranstalter auf
die Möglichkeit der Malariaübertragung deutlich hingewiesen werden. Der Reisende sollte
wissen, dass die Erkrankung bedrohlich und tödlich verlaufen kann. Reisende sollten zudem
informiert sein, dass auch noch Monate nach Rückkehr bei Fieber oder anderen unklaren
Krankheitssymptomen unbedingt und unverzüglich ärztlicher Rat gesucht werden muss.
Reisende, die Malaria-Endemiegebiete aufsuchen wollen, sollten sich also vor Antritt der
Reise von einem Arzt mit entsprechender reisemedizinischer oder tropenmedizinischer Erfahrung
über das Malariarisiko und die erforderlichen Vorsorgemaßnahmen beraten lassen. Insgesamt
muss erreicht werden, dass die Reisenden gründlich auf allgemeine und spezifische Gesundheitsrisiken
in tropischen und subtropischen Ländern, erforderliche Verhaltensweisen sowie prophylaktische
Maßnahmen hingewiesen werden. Bei Last-minute-Reisen ist das erfahrungsgemäß besonders schwierig.
Entscheidend bleibt, dass der Tropenreisende Rat sucht, die gegebenen Hinweise berücksichtigt
und die empfohlenen prophylaktischen Maßnahmen durchführt.
Eine Schutzimpfung gegen Malaria steht weiterhin nicht zur Verfügung. Die Möglichkeiten zur Vorbeugung
der Erkrankung umfassen daher die Expositionsprophylaxe und die Chemoprophylaxe als Individualprophylaxe.
Expositionsprophylaxe: Eine Expositionsprophylaxe kann das Risiko, an Malaria zu erkranken,
deutlich vermindern. Folgende Maßnahmen kommen in Betracht:
der Aufenthalt in moskitosicheren Räumen, das Schlafen unter Moskitonetzen, am besten imprägniert mit
insektenabtötenden Substanzen, das Tragen entsprechender Kleidung (langärmlige Blusen und Hemden, lange Hosen, Socken) in der
Dämmerung und Dunkelheit, das Einreiben unbedeckter Hautstellen mit mückenabweisenden
Mitteln (Repellents mit den Wirkstoffen DEET (z.B. Nobite Haut) oder Icaridin (z.B. Autan oder Nobite Haut Sensitive).
Chemoprophylaxe: Die Chemoprophylaxe bietet keinen absoluten Schutz vor einer Malaria,
erhöht aber die Sicherheit entscheidend. Bei der individuellen Beratung müssen Grundleiden
sowie Wechselwirkungen mit Dauermedikationen berücksichtigt werden. Die Chemoprophylaxe
sollte je nach Mittel 2–3 Wochen, jedoch mindestens eine Woche vor der Einreise in das malariagefährdete
Gebiet und bis 4 Wochen nach der Rückkehr durchgeführt werden. Die Mittel richten sich weitgehend
nach der WHO-Einteilung der Malaria-Endemiegebiete in die Resistenzzonen A, B und C. Allerdings müssen
regionale Besonderheiten beachtet werden. Innerhalb der Zonen kann das Malariarisiko selbst innerhalb
eines Landes sehr unterschiedlich sein.

Folgende Medikamente finden Anwendung:
Chloroquin (z.B. Resochin ®)
Mefloquin (z.B. Lariam ®)
Atovaquon/Proguanil (z.B. Malarone ®)
und andere, neuere Medikamente.

Wo bekommt man weitere Informationen?

Z.B. bei den tropenmedizinischen Zentren oder den Gesundheitsämtern.